Sich einen anderen Hut aufsetzen: Komplexe Aufgaben gemeinsam lösen

Der Erfolg einer Mannschaft hängt größtenteils von deren Zusammenhalt ab. Aber Spannungen im Team, unterschiedliche Meinungen oder Zielsetzungen führen mit der Zeit oft dazu, dass die Einzelnen nicht mehr an einem Strang ziehen. Meistens kann ein klärendes Gespräch Abhilfe schaffen. In besonders komplizierten Situationen hilft es, vorab bewusst alle möglichen Denkweisen zu berücksichtigen, bevor man sich ein Urteil bildet.
Die „6-Hut-Methode“
Die „6-Hut-Methode“ des Kognitionswissenschaftlers Edward de Bono soll genau dabei unterstützen. Aber natürlich kann sie noch viel mehr als nur zur Konfliktlösung beitragen: Die Kreativitätstechnik ermöglicht es einer Gruppe, völlig neue Ansätze entstehen zu lassen, sich aus alten Denkmustern zu befreien und so ungewöhnliche Ideen zu kreieren. Außerdem können die Teilnehmer bereits bestehende Lösungen besser einschätzen und gegebenenfalls optimieren. In einer Art Gruppendiskussion beleuchten sie das Thema von allen Seiten – dabei kommt auch der Spaß nicht zu kurz. Mit der Methode lassen sich verschiedene Denkweisen klar voneinander abtrennen, sodass ein Bewusstsein für sie entsteht. Denn Probleme in der Kommunikation können unter anderem dann auftreten, wenn diese auf unterschiedlichen Ebenen stattfindet. Zum Beispiel, wenn ein Gesprächspartner emotional-euphorisch mit dem Thema umgeht, während ein anderer die Sachlage objektiv betrachtet und bedenkt, was bei dem Vorhaben alles schief gehen kann.
Vorbereitung
Alles, was ihr dazu benötigt, sind sechs Hüte in den Farben Weiß, Rot, Schwarz, Gelb, Grün und Blau. Wahlweise könnt ihr auch Armbänder, Tischkärtchen oder ähnliches verwenden. Jede Farbe symbolisiert einen bestimmten Blickwinkel, den eine Person oder mehrere Personen während des Rollenspiels einnehmen wird. Idealerweise besteht eure Gruppe aus sechs Leuten oder einem Vielfachen davon, beispielsweise 12 oder 18. Eine siebte Person könnt ihr zum Moderator ernennen, dies ist aber nicht zwingend notwendig, da auch derjenige mit dem blauen Hut diesen Part übernehmen kann. Zu Beginn erhält jeder Teilnehmer oder jedes Team einen Denkhut und damit eine zugewiesene Rolle. Während der Diskussion werdet ihr gemäß der Eigenschaften eurer Farbe argumentieren.
So funktioniert‘s
Zunächst umschreibt der Moderator der Gruppe die Aufgabe oder das Problem, das es zu lösen gilt. Außerdem erklärt er den Ablauf der Diskussion und die Bedeutung der Denkhüte. Anschließend setzt ihr euch – einer nach dem anderen – die Hüte auf und teilt der Gruppe mit, wie ihr das Thema aus der Hut-Perspektive heraus einschätzt. Die Ergebnisse haltet ihr schriftlich fest – beispielsweise an einer Pinnwand oder einem Flipchart. Wenn ihr feststellt, dass ihr durch die Aufzeichnungen der anderen voreingenommen seid, kann es nützlich sein, die Notizen vorerst zu verdecken. Wenn sich alle Teilnehmer geäußert haben, reicht ihr die Hüte in festgelegter Reihenfolge weiter. Dies wiederholt ihr so oft, bis alle sechs Rollen ausgiebig zu Wort gekommen sind.

Die farbigen Hüte stehen für folgende Denkweisen:
Weißer Hut: analytisch, objektiv, tatsachenbetont
Roter Hut: emotional, subjektiv, meinungsbetont
Schwarzer Hut: kritisch, objektiv, risikobewusst
Gelber Hut: optimistisch, spekulativ
Grüner Hut: kreativ, assoziativ, konstruktiv, innovativ
Blauer Hut: ordnend, moderierend, überblickend

Für einen unvoreingenommenen Überblick über den Diskussionsgegenstand empfiehlt es sich, dass der Träger des weißen Hutes mit seiner Stellungnahme beginnt. Emotionen und Vorurteile müssen zugunsten der objektiven Zahlen, Daten und Fakten außen vor gelassen werden. Dagegen kann der Träger des roten Hutes seinen Emotionen freien Lauf lassen – ganz egal, ob diese positiv oder negativ sind. Der rote Hut steht für das Bauchgefühl, für Intuition und für Gedanken, die auch mal irrational sein dürfen und nicht gerechtfertigt werden müssen. Mit dem schwarzen Hut können objektive Bedenken geäußert werden. Diese kritische Haltung darf im Gegensatz zum roten Hut nicht von Gefühlen geleitet sein. Der Träger des gelben Huts beantwortet die Frage, was im besten Fall passieren könnte. Er bringt mögliche Chancen zur Sprache und benennt Hoffnungen und Ziele. Wie beim schwarzen Hut geht es hier nicht um subjektive Emotionen – und auch nicht um die Entwicklung konkreter Ideen oder Denk- und Handlungsansätze. Denn das ist die Aufgabe des Teilnehmers mit dem grünen Hut. Dieser darf sich ausschließlich positiv äußern. Das letzte Wort bleibt üblicherweise dem Träger des blauen Huts vorbehalten. Denn er ist dafür zuständig, das große Ganze im Blick zu behalten, Besprochenes einzuordnen und ein Fazit zu ziehen. Darüber hinaus kann er auch die Moderation der Gruppendiskussion übernehmen.
Seid kreativ!
Ihr werdet sehen, dass die Methode nicht nur die Kommunikation in eurer Gruppe verbessert, sondern dass ihr richtig Lust bekommt, in andere Rollen zu schlüpfen. Übertreibungen und theatralische Reden sorgen für einen hohen Fun-Faktor.
Im folgenden Artikel werden wir euch mit der Disney-Methode eine weitere kreative Herangehensweise für Eure Entwicklung als Führungskraft vorstellen. Ihr dürft gespannt sein!

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